Kärntner Landesarchiv
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"Vitrinen des Gedenkens"

Vitrinen des Gedenkens


Kärnten steht mit der Gottschee, einer Region im Süden Sloweniens, schon seit dem Spätmittelalter in einer engen Verbindung. Die Gottschee, ein riesiges Waldgebiet in Unterkrain, wurde auf Initiative der Grafen von Ortenburg im 14. Jahrhundert von Siedlern aus Oberkärnten gerodet und kolonisiert. Das Siedlungsgebiet der Gottscheer war in den folgenden sechs Jahrhunderten eine deutsche Sprachinsel von beträchtlicher Größe (ca. 860 km2 mit 177 Ortschaften). Armut und Überbevölkerung prägten die Region schon im Spätmittelalter. Um die Lebensgrundlage zu verbessern, erhielten die Gottscheer 1492 von Kaiser Friedrich III. ein Hausiererprivileg. Als Wanderhändler zogen sie fortan quer durch Mitteleuropa und verkauften Produkte aus der Heimat. Viele Gottscheer wanderten schon im 19. Jahrhundert in wirtschaftlich besser gestellte Regionen der Habsburgermonarchie aus, viele auch nach Amerika. Auch in Kärntner Städte zogen schon damals Gottscheer und wurden hier angesehene Bürger (Knaus, Morré, Erker u. a.).

Durch Umsiedlung, Flucht und Vertreibung wurde die Volksgruppe in den Jahren 1941–1945 in ihrem angestammten Siedlungsgebiet fast zur Gänze vernichtet und ihr kulturelles Erbe zerstört. In Slowenien blieb ihr die Anerkennung als Volksgruppe bis heute verwehrt.

Dr. Anja Moric, eine junge slowenische Historikerin und Ethnologin, hat für das Zavod Putscherle, ein Kulturzentrum in Stara Cerkev (Mitterdorf) in der Gottschee, eine faszinierende kulturgeschichtliche Ausstellung gestaltet. Ausgehend von Gebrauchsgegenständen und familiären Erinnerungsstücken vermittelt die engagierte Kuratorin faszinierende Einblicke in die Alltagskultur der einstigen Bewohner. Die Ausstellung wurde zuletzt in Rann (Brezice), dem Umsiedlungsort der Gottscheer, gezeigt und übersiedelt nun nach Klagenfurt, das sich seit 1945 zu einem wichtigen Zentrum und Gedächtnisort für die Gottscheer entwickelt hat (Gedächtniskirche und Kulturwoche in Krastowitz, Gottscheer Zeitung).


Dauer der Ausstellung:

17. Mai – 15. Juni 2018

Öffnungszeiten:

Montag–Donnerstag: 8.00–15.30 Uhr

Freitag: 8.00–12.30 Uhr


Für die Ausstellung in Klagenfurt konnte der reich bebilderte dreisprachige Katalog – dank einer namhaften Förderung durch das Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres – in einer erweiterten Zweitauflage herausgebracht werden.